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Fakten über Bienen

Bienenfakten

Zahlen, Daten, Fakten und Statistiken über Bienen

Bienen – die bedrohten Bestäuber im Überblick

Sie bestäuben unsere Felder, liefern süßen Honig und erzeugen sogar Grundstoffe für den medizinischen Bedarf – Bienen. Da verwundert es nicht, dass diese Insekten zu den wichtigsten Nutztieren der Welt gezählt werden.

Obwohl Bienen bereits seit Jahrtausenden bekannt sind, finden Wissenschaftler ständig Neues über sie heraus. Nicht nur sind Bienen dank ihres Körperbaus und der Sinnesorgane perfekt an ihre Umgebung angepasst. Die Tiere besitzen darüber hinaus erstaunliche kognitive Fähigkeiten und eines der komplexesten Sozialverhalten im Tierreich. Im ersten Teil dieses Artikels präsentieren wir darum die wichtigsten Fakten und Erkenntnisse über Bienen.

Anschließend widmen wir uns einem Thema, das seit Jahren in Medien und Politik diskutiert wird: dem Bienensterben. Anhand von Statistiken lässt sich die Population der Bienen weltweit abschätzen. Doch die Befunde entsprechen nicht immer weit verbreiteten Meinungen: So sind Honigbienen zwar von zahlreichen Krankheiten, Schädlingen und Umweltproblemen bedroht und schon aufgrund ihrer wirtschaftlichen Rolle schützenswert. Viele Forscher warnen jedoch vor der einseitigen Fokussierung auf diese Art – und fordern, auch Wildbienen und andere Insektenarten stärker zu schützen.

Mit welchen Maßnahmen das bereits jetzt versucht wird, und wo Umweltschützer noch Handlungsbedarf sehen, zeigen wir anhand ausgewählter Kampagnen am Ende des Artikels.

Inhaltsverzeichnis

1. Entstehungsgeschichte
2. Arten von Bienen
3. Verbreitung
4. Körperbau
5. Anatomie einer Honigbiene
6. Ernährung
7. Sinnesorgane
8. Geruchssinn
9. Kognitive Fähigkeiten
10. Population, Gefährdung und Schutz von Bienen
11. Möglichkeiten, das Bienensterben aufzuhalten


1. Entstehungsgeschichte

Das älteste Fossil einer Biene (Cretotrigona prisca) wird auf ca. 75 bis 92 Millionen Jahre vor unserer Zeit datiert und hat starke Ähnlichkeiten mit heute lebenden Schwarmbienen.

Wann die ersten Bienen unseren Planeten bewohnten, kann nur geschätzt werden. Fakt ist, dass vor 110 Millionen Jahren entstandene Blütenpflanzen bereits auf Bestäubung angewiesen waren. Im Zuge der Symbiose zwischen Blumen und Bienen spezialisierten sich Letztere vermutlich immer mehr auf das Sammeln von Pollen.

Dafür spricht das Fossil von Melittosphex burmensis: Diese 100 Millionen Jahre alte Art ähnelt mit ihren Beißwerkzeugen den Grabwespen; Sie besitzt jedoch bereits Härchen zur Pollenaufnahme – stellt also ein Zwischenglied zwischen Wespen und Bienen dar.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Melittosphex_burmensis.jpg

In Bernstein eingeschlossenes Fossil der Bienenart Mellitosphex burmensis


2. Arten von Bienen

Die Wissenschaft kennt heute 20.000 Bienenarten, die nach Plant & Paulus sieben Familien zugeordnet werden. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal sind die Mundwerkzeuge: Vier Familien gehören zu den kurzzungigen Bienen, die große Ähnlichkeit mit Grabwespen aufweisen. Langzungige Bienen umfassen dagegen die Familie der Echten Bienen (Apidae), zu denen neben Hummeln auch die Honigbiene gehört. Mit 6.035 Arten stellen Apidae die artenreichste Familie der Bienen dar.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Apis_mellifera_Western_honey_bee.jpg

Apis mellifera – die Westliche Honigbiene – gehört zu den prominentesten Vertreterinnen der Familie „Apidae“


3. Verbreitung

Bienen haben, mit Ausnahme des Südpols, jeden Kontinent unserer Erde erobert. Allein die Untergattungen der Honigbiene (Apis mellifera) sind von Europa und der Neuen Welt über Afrika und dem Nahen Osten bis nach Südostasien anzutreffen.

Untersuchungen zeigen, dass die meisten Bienenarten in gemäßigt warmen Gebieten zuhause sind – allen voran Nordamerika, dem Mittelmeerraum, Südafrika und Australien. Dies stellt ein atypisches Muster dar, da tropische Areale normalerweise die größte Artenvielfalt aufweisen.


4. Körperbau

Wie alle Insekten besitzen Bienen einen dreigeteilten Körper, der aus Kopf, Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen) besteht.

anatomie einer biene
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:HoneyBeeAnatomy.png


5. Anatomie einer Honigbiene

Bienen besitzen vier Flügel: Diese dienen primär zur Fortbewegung, aber auch zur Temperaturregulierung und dem Erzeugen von Lauten. Stoßen zwei Bienen zusammen, produzieren ihre Flügel ein Geräusch, das erstmals in den 1980er Jahren entdeckt wurde. Jedoch legen neuere Studien nahe, dass es sich nicht, wie früher angenommen, um ein Warnsignal oder eine Aufforderung zur Futtergabe handelt. Stattdessen gehen Forscher davon aus, dass Bienen auf diese Weise Überraschung oder Erschrecken ausdrücken.

Bienenflügel
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bee-wing_30670_20130808161002.jpg

Bienenflügel in der Nahaufnahme. Die ausgefransten Ränder lassen auf ein fortgeschrittenes Alter des Tiers schließen.

Ein weiteres Merkmal vieler Bienen ist ihr Wehrstachel. Dieser findet sich ausschließlich bei den Weibchen, da er sich aus dem Eilege-Apparat entwickelt hat. Je nach Art dient dieses Werkzeug zum Beutefang, um Pflanzen anzustechen oder, wie bei der Honigbiene, zur Verteidigung. Nachdem eine Honigbiene zugestochen und etwa 0,1 mg Gift injiziert hat, bleibt ihr Stachel aufgrund der Widerhaken im Opfer stecken. Das hat den Tod der Biene zur Folge.

Bienenstachel
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bienenstachel_04a.jpg

Stachel einer Honigbiene

Bienen besitzen Mandibeln und einen Saugrüssel: Mit diesem Werkzeug extrahieren sie Nektar aus den Blüten. Die Länge des Rüssels kann von Art zu Art stark variieren, weshalb Bienen nicht jede Blume als Nahrungsquelle nutzen können. Hummeln gelangen mit ihrem Rüssel beispielsweise in tiefe Blütenkelche, die Honigbienen verwehrt bleiben.

Besonders bei den sog. Echten Bienen sind die Beine oder der Hinterleib behaart, was den Tieren beim Sammeln von Pollen hilft. Ebenfalls zu diesem Zweck besitzen Honigbienen Corbicula oder Körbchen an den Hinterbeinen.

Honigbienenhinterbein von innen
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Honey_bee_hind_leg_from_inside_2.jpg

Hinterbeine einer Honigbiene mit charakteristischen Härchen


6. Ernährung

Bienen ernähren sich überwiegend – jedoch nicht ausschließlich – vegetarisch: Beispielsweise fressen Exemplare des Genus Trigona Insektenkadaver und Wespenbrut, deren Fleisch sie im Magen zu einer nektarartigen Substanz verarbeiten.

Auf dem Speisezettel von Honigbienen stehen zwei pflanzliche Substanzen:

Zum einen extrahieren die Tiere Nektar, eine zuckerreiche Lösung, aus den Blüten von Pflanzen. Der Nektar wird im Bienenmagen gelagert und an die Artgenossen im Stock verfüttert. Aus den Überschüssen im Magen entsteht durch Entwässerung und Zugabe von Enzymen eine klebrige, süße Masse, die wir als Honig kennen.

Pollen stellt ein Nebenprodukt dar, den die Biene automatisch beim Sammelflug transportiert. Er bleibt an ihren Beinen hängen und wird ebenfalls im Bienenstock verfüttert. Außerdem lagern Arbeiterinnen den Pollen als Eiweißquelle in speziellen Waben ein.

Pollen
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Honeybee_pollen_basket_5233.jpg

Pollen bleiben an den Unterschenkeln von Bienen in sog. „Körbchen“ haften.

Der Speiseplan einer Honigbiene hängt von ihrer Entwicklung ab:

Larven werden zu Beginn ihres Lebens mit einer Lösung aus Nektar und Pollen gefüttert. Diese nennen Imker Gelée Royale. Ausschließlich Königinlarven erhalten sie dauerhaft, während junge Arbeiterinnen nach drei Tagen mit Pollen und Nektar versorgt werden – eine Ernährung, die die Tiere im ausgewachsenen Stadium beibehalten

Weiselzellen
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Weiselzellen_68a.jpg

Mit Gelée Royale gefüllte Waben zur Aufzucht von Bienenköniginnen: sog. Weiselzellen

Unter widrigen Umständen greifen Honigbienen auch auf Kannibalismus zurück und fressen einige der jüngsten Larven. So stellen sie die Versorgung der älteren Brut sicher.


7. Sinnesorgane

Um sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden, besitzen Bienen eine ganze Reihe von Sinnesorganen:

Sehvermögen

Wie wir Menschen verfügen Bienen über zwei Augen. Diese machen einen Großteil des Kopfes aus und ermöglichen es den Tieren, nach oben und unten sowie zur Seite zu blicken.

Die Sehorgane bestehen aus zahlreichen Ommatidien. Mit ihnen nehmen Bienen kein einzelnes Bild, sondern tausende von Einzelbildern wahr. Wie viele das sind, hängt von der Aufgabe der Biene ab: Während Arbeiterinnen zum Sammeln von Nahrung 5.000–6.000 Ommatidien genügen, besitzen Drohnen bis zu 10.000 Einzelaugen. Damit können sie auch den kleinen Umriss einer Bienenkönigin registrieren.

Wie dieses Bild zeigt, lassen sich die Ommatidien von Bienen mit Pixeln auf einem Bildschirm vergleichen.

Bienen können Farben im Spektrum von 300 to 650 nm sehen. Anders als Menschen nehmen sie daher Rot nicht als eigenständige Farbe, sondern als Schwarz war. Das sorgt dafür, dass sich Blüten für Bienen deutlich vor dem Hintergrund einer Wiese abzeichnen. Ein weiterer Unterschied: Bienen sind in der Lage, ultraviolettes Licht zu sehen. Somit nehmen sie Farbmale auf Blüten wahr, die für das menschliche Auge unsichtbar sind. Diese Farbmale helfen ihnen bei der Auswahl der Blüte und eines geeigneten Landeplatzes.

Mimulus-Blume, fotografiert in sichtbarem Licht (links) und ultraviolettem Licht (rechts), zeigt einen Nektarführer, der für Bienen, aber nicht für Menschen sichtbar ist.
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mimulus_nectar_guide_UV_VIS.jpg

Vergleich einer Blüte in sichtbarem (links) und ultraviolettem Licht (rechts)

Des Weiteren sind Bienen Meister darin, Bewegungen zu erkennen. Ihre Augen können bis zu 200 Einzelbilder pro Sekunde wahrnehmen. Zum Vergleich: Bei Menschen sind es lediglich 15–24 Bilder pro Sekunde.

Noch nicht vollständig erforscht sind die Ocellen: drei Punktaugen, die auf der Stirn von Honigbienen sitzen und mit bis zu 800 Sehzellen ausgestattet sind. Wissenschaftler vermuten, dass die Bienen damit Lichtintensität, Tageslänge und Tageszeit registrieren können. Wahrscheinlich hilft die Anordnung den Tieren dabei, sich an der Lage des Horizonts zu orientieren und ihre Flugbahn stabil zu halten.


8. Geruchssinn

Arbeiterbienen nehmen Duftstoffe mithilfe ihrer Antennen auf und können sogar bestimmen, aus welcher Richtung sie stammen. Sie sind in der Lage, den Geruch von Pollen vom Geruch der Blüte zu differenzieren. Wächterbienen können Eindringlinge am Geruch von den Mitgliedern des eigenen Stocks unterscheiden.

Außerdem dienen Duftstoffe den Bienen zur Kommunikation: So sondern Arbeiterinnen Düfte aus, um Blüten zu markieren, vor Gefahren zu warnen, Artgenossen anzulocken und Bienen beim Schwarmflug zusammenzuhalten.

Königinnen nutzen Pheromone, um biologische Vorgänge zu steuern: etwa das Lern-, Aggressions- und Fortpflanzungsverhalten von Arbeiterinnen im Stock.

Antennen der Bienenart Mydrosoma serratum

Geschmackssinn

Bienen besitzen einen ähnlich ausgeprägten Geschmackssinn wie Menschen. Sie empfinden Zuckerlösungen jedoch erst ab einer Konzentration von 4 % als süß. Experimente legen außerdem nahe, dass die Tiere keine Bitterstoffe wahrnehmen können.

Schmerzempfinden

Ob Bienen Schmerz empfinden, konnte wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt werden. Zwar reagieren die Tiere auf negative Reize mit Flucht- oder Kampfverhalten. Jedoch scheinen sie kein subjektives Schmerzempfinden zu besitzen.

In einer Studie wurde verletzten Bienen eine schmerzstillende Lösung aus Morphium vorgesetzt. Die Tiere tranken diese jedoch nicht in höherem Maße als unverletzte Artgenossen. Dieses Fehlen der Selbstmedikation gilt als Indiz dafür, dass Bienen keinen Schmerz im menschlichen Sinn empfinden.


9. Kognitive Fähigkeiten

Zwar sind Bienen als wirbellose Tiere weniger hoch entwickelt als beispielsweise Reptilien, Vögel und Säugetiere. Dennoch besitzen sie komplexe kognitive Fähigkeiten, die sich im Laufe der Jahrmillionen herausgebildet haben.

Ein wichtiges Merkmal von Bienen ist ihre Lernfähigkeit: Die Tiere speichern Informationen im Langzeitgedächtnis, merken sich also beispielsweise, ob eine bestimmte Substanz süß schmeckt. Auch Farben, Muster, Düfte und Flugstrecken werden bereits nach wenigen Repetitionen erinnert.

Neben einem örtlichen besitzen Bienen ein temporales Gedächtnis: So können sich Arbeiterinnen anhand des Sonnenstands die Tageszeit einprägen, in der eine bestimmte Pflanze Nektar gibt.

Neue Studien legen außerdem nahe, dass Bienen die Verknüpfung zwischen einem Symbol und einer Zahlenmenge herstellen können – und damit die Grundlagen der Mathematik beherrschen. Diese Fähigkeit galt lange Zeit ausschließlich als Merkmal höher entwickelter Tiere.

Köpfe und Gehirne Bienen
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Heads_and_brains_of_stingless_bees.png

Trotz seiner geringen Größe ist das Gehirn einer Biene in der Lage, komplexe kognitive Aufgaben zu bewältigen.


10. Sozialverhalten

Die Mehrheit aller Bienenarten (75 %) lebt solitär und baut nur für den eigenen Nachwuchs ein Nest.

15 % der Arten gehören zu den sog. Kuckucksbienen, die ihre Eier in den Nestern anderer Bienen ablegen. Die typischerweise mit Bienen assoziierte Staatenbildung findet sich nur bei den Körbchensammlern, zu denen auch die Honigbiene gehört:

Der Bienenstock

In der freien Natur bauen Honigbienen ihre Nester bevorzugt an windgeschützten, trockenen Orten – etwa an einem hohlen Baum mit Astloch. Dort beginnen die Arbeiterbienen, Bienenharz aufzutragen. Anschließend entstehen senkrechte Wände aus Wachs: einem Material, das die Arbeiterinnen aus ihrem Hinterleib ausscheiden. Diese Wände nennt man Waben. Sie bestehen aus einzelnen Wabenzellen, die für die Braut, aber auch zur Lagerung von Honig und Pollen genutzt werden. Die sechseckige Form der Wabenzellen sorgt für größtmögliche Stabilität bei minimalem Gewicht.

Bienenschwarm
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Natural_Beehive_and_Honeycombs.jpg
Natürliche Waben

Natürlicher Bienenstock mit Waben

Nicht nur die Bauweise, auch die Instandhaltung eines Bienenstocks, folgt ausgeklügelten Mechanismen:

So sind Bienen in der Lage, Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu regulieren, indem sie mit den Flügeln schlagen und Wasser in den Stock transportieren bzw. abtransportieren. So stellen sie sicher, dass optimale Bedingungen für die Brut herrschen. Die Entsorgung von Fremdkörpern, verdorbener Nahrung und toten Bienen gehört ebenfalls zu den Aufgaben, die Arbeiterinnen im Bienenstock verrichten.

Kastenbildung und verteilte Rollen

In einem Bienenstaat existieren drei Arten von Bienen:

An der Spitze steht eine Königin – die Mutter der anderen Individuen. Sie ist das größte und gleichzeitig das einzige voll entwickelte Weibchen. Dementsprechend besteht ihre Hauptaufgabe darin, Eier zu legen, aus denen neue Arbeiterinnen und Drohnen schlüpfen. Des Weiteren reguliert die Königin durch die Ausschüttung von Pheromonen das Verhalten im Bienenstaat.

Bienenkönigin
Königin (markiert) umgeben von Arbeiterinnen
https://en.wikipedia.org/wiki/Queen_bee#/media/File:Apis_mellifera_scutellata_1355021.jpg

Von Arbeiterinnen umgebene Königin der Bienenart Apis mellifera scutellata

Den Großteil des Volks machen die Arbeiterinnen aus. Diese sind kleiner als die Königin und im Normalfall unfruchtbar. In den ersten Lebenstagen widmen sich Arbeiterinnen der Pflege und Fütterung ihrer Königin sowie der Larven. Auch die Reinigung des Bienenstocks und der Wabenbau gehören zu ihren Aufgaben. In ihren letzten Lebenstagen schwärmen Arbeiterinnen zur Nahrungssuche aus.

Arbeiterbiene
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:CSIRO_ScienceImage_2370_Female_Worker_Bee.jpg

Erwachsene Arbeiterin der Art Apis mellifera (Westliche Honigbiene)

Aus den männlichen Larven entstehen Drohnen, die größer und gedrungener als Arbeiterinnen sind. Sie besitzen keinen Stachel und übernehmen im Bienenstock keinerlei Aufgaben. Stattdessen schwärmen sie zu sog. Drohnensammelplätzen aus, um Bienenköniginnen zu begatten. Ist ihre Aufgabe erfüllt – meist kurz nach der Sommersonnwende – wird den Drohnen die Rückkehr in den Bienenstock verweigert. Die Tiere sterben kurze Zeit später an Nahrungsmangel.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Drohn_im_Flug_08-3.jpg

Honigbienen-Drohn im auf Stein

Anzahl der Bienen in einem Staat

Wie viele Bienen in einem Staat leben, ist von der Jahreszeit abhängig:

In den Frühlingsmonaten, wenn die Tage länger werden, beginnt die Bienenkönigin, vermehrt Eier zu legen. Ihre Legetätigkeit nimmt im Verlauf des Jahres zu und zur Sommersonnenwende schlüpfen zusätzlich zu den weiblichen Arbeiterinnen auch Drohnen. Somit kann das Volk auf bis zu 60.000 oder gar 80.000 Bienen anwachsen.

Im Verlauf des Herbstes nimmt das Nahrungsangebot ab, sodass zum Winter nicht mehr als 10.000-20.000 Individuen in einem Bienenstock leben.

Der Schwarmflug

Nicht alle Bienen bleiben dauerhaft in ihrem Stock. Stattdessen kommt es im Frühsommer oft zum sog. Schwarmflug.

Dabei verlässt die Königin mit einem Vorschwarm, der etwa 2/3 des Volks umfasst, ihren Stock und sucht nach einem neuen Zuhause. Der Schwarm sendet dafür in bestimmten Intervallen Kundschafterinnen aus, die geeignete Standorte suchen und die Informationen mit tanzenden Bewegungen an andere Mitglieder des Schwarms weitergeben. Sobald eine gewisse Anzahl an Kundschafterinnen – neue Forschungen sprechen von mindestens 15 – diesen Standort anfliegen, setzt sich der gesamte Schwarm in Bewegung. Dieser Abwägungsprozess kann mehrere Tage in Anspruch nehmen.

Bienenschwarm
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bee_swarm.jpg

Honigbienen-Schwarm

Bienen als Nutztiere

Bienen werden vor allem gehalten, um Honig zu gewinnen. Sie produzieren die klebrige Masse mithilfe von Enzymen in ihrem Magen und stellen so die Winterversorgung sicher. Honig schmeckt nicht nur süß, sondern gilt auch als gesund. Durch seine antibakterielle Wirkung kann er zur Wundbehandlung eingesetzt werden. Auch bei Erkältungssymptomen wie Halsschmerzen wirkt er wohltuend

Ein Nebenprodukt der Honigernte ist Bienenwachs. Dieses Material der Waben lässt sich zur Herstellung von Kerzen, Wachstüchern, aber auch Kosmetika und Pflegeartikel verwenden. Sogar als Arzneimittel gegen Pilzbefall und Hauterkrankungen kommt Bienenwachs zum Einsatz.

Bienenwachs
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Beeswax.jpg

Wachs stellt neben Honig das wichtigste von Bienen erzeugte Produkt dar.

Ebenfalls durch antibiotische Eigenschaften zeichnet sich Propolis aus: eine harzartige Masse, mit der Bienen ihren Stock abdichten. Sie kann zur Herstellung von Lasuren und Lacken, aber auch für Pflegeprodukte verwendet werden.

Weitere Produkte, die von Bienen gewonnen werden, sind:

  • Bienengift, das in der Medizin und als Anti Aging-Mittel eingesetzt wird
  • Pollen als Nahrungsergänzungsmittel
  • Gelée Royale für Kosmetika.

Genau wie andere fliegende Insekten erfüllen Bienen die Rolle von Bestäubern. Das heißt, sie übertragen Pollen von einer Pflanze zur anderen und stellen so deren Fortpflanzung sicher. Zahlreiche Nutzpflanzen in der Landwirtschaft könnten ohne die Mithilfe der Tiere nicht oder nur begrenzt angebaut werden.

Biene bestäubt eine Blume
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bee_pollinating_a_Flower.jpg

Honigbiene beim Bestäuben einer Blume

Sowohl Honigbienen als auch Wildbienen bestäuben Pflanzen. Jedoch legen neue Studien nahe, dass die Bestäubungsleistung domestizierter Bienen begrenzt ist. Konkret lautet der Befund, der an 41 Anbauflächen getestet wurde: Wilde Insekten erzeugen einen doppelt so hohen Fruchtansatz wie die gleiche Anzahl an Honigbienen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen Forscher der Universität Berkley: Sie fanden eine positive Korrelation zwischen wilden Bienen – nicht jedoch Honigbienen – und dem Fruchtansatz von Mandelbäumen.

Aus diesem Grund empfiehlt die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), sowohl Honigbienen als auch wilde Insekten zur Bestäubung einzusetzen. Experten gehen davon aus, dass sich der Ertrag so im Schnitt um 24 % steigern lässt.

Selbst Pflanzen, die nicht bestäubt werden müssen, profitieren von Bienen: So zeigten Studien, dass die Rapsernte durch Honigbienen um 25 % erhöht wird. Auch Kaffee, eine weitere selbstbestäubende Pflanze, erzielt mithilfe von Bienen einen 12,3–16 % höheren Fruchtansatz.

Außerdem fungieren die Tiere als Schädlingsbekämpfer. Eine Studie der Universität Würzburg wies nach, dass der Flügelschlag von Bienen bestimmten Raupen vom Fressen abhält. Durch den Einsatz der Tiere konnte der Fressbefall in Feldversuchen um bis zu 70 % reduziert werden.


10. Population, Gefährdung und Schutz von Bienen

Bienenpopulation Weltweit

Die Anzahl der wildlebenden Bienen kann nur geschätzt werden. Genauere Zahlen liegen für die Population von domestizierten Honigbienen vor.

Statistiken zeigen: Im Jahr 2019 gab es weltweit etwa 90,12 Millionen Bienenstöcke, was einen historischen Höchstwert darstellt. Diese Zahl schwankte seit 2015 nicht signifikant, stieg jedoch davor kontinuierlich an. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 existierten lediglich 80,4 Millionen Bienenstöcke.

Während die Zahlen in Europa leicht rückläufig sind, kann vor allem der asiatische Kontinent einen rapiden Anstieg an Bienenvölkern verzeichnen. Deren Zahl wuchs in den letzten 50 Jahren um ganze 296 % – auch angeregt durch die große weltweite Nachfrage an Honig. Ähnlich hohe Wachstumsraten finden sich in Südamerika (210 %), Afrika (156 %) und Australien/Ozeanien (140 %), während die Bienenstaaten in Nordamerika um 43 % zurückgingen. Diese Befunde zeigen: Die Anzahl der Bienenvölker ist weltweit ungleich verteilt.

Die meisten Bienenstöcke befinden sich heute in den Ländern Indien, China und der Türkei – wichtigen Honigproduzenten. Nimmt man die Staaten der Europäischen Union zusammen, besitzen diese insgesamt 18,9 Millionen Bienenstöcke. Das macht die EU zum zweitgrößten Honigproduzenten der Welt.

Bienenpopulation in Deutschland

Aus Zahlen des Deutschen Imkerbunds geht hervor: 2020 gab es in der Bundesrepublik Deutschland etwa 100.000 Bienenvölker. Deren Anzahl steigt seit 2008 kontinuierlich an – auch wenn der letzte Höchstwert von 120.000 Völkern im Jahr 1992 noch nicht erreicht wurde.

Mit 135.000 Imkern hält Deutschland nicht nur den EU-weiten Rekord. Diese Zahl stellt auch einen historischen Höchstwert dar, nachdem zwischen 1992 und 2014 lediglich 90.000–110.000 Imker registriert waren. Ein Großteil der deutschen Imker betreibt ihr Handwerk nebenberuflich oder als Hobby. Lediglich 1 % der deutschen Imker besitzen mehr als 50 Bienenstöcke.

Aufschluss über die Verteilung der Bienenstöcke geben die Mitgliedschaften des Deutschen Imkerbunds, in dem 90 % aller Imker eingetragen sind: Die meisten Völker befinden sich demnach in den Regionen Bayern, Württemberg und Rheinland.

Das Bienensterben – Winterverluste von Honigbienen

Wie bereits erwähnt, schwankt die Population von Bienen je nach Jahreszeit. Nicht alle Individuen überleben den Winter aufgrund der Witterungsbedingungen und des reduzierten Nahrungsangebots.

In den letzten Jahren registrierten Wissenschaftler jedoch ein Massensterben von Bienen. Dieses als CCD (Colony Collapse Disorder) bekannte Phänomen wurde erstmals in der zweiten Hälfte der 2000er Jahre bekannt. US-amerikanische Imker berichteten von überdurchschnittlich hohen Winterverlusten ihrer Bienenvölker. Die Schwundraten betrugen bis zu 60 % – etwa im Winter von 2008 – und schwanken seither von Jahr zu Jahr.

Doch CCD beschränkt sich nicht auf Nordamerika, sondern tritt auch in Europa auf, während China und die Türkei geringere Verluste zu verzeichnen haben.

In Deutschland schwankt der Verlust von Bienenvölkern je nach Jahr: So verzeichneten Imker im Winter 2002/2003 massive Verluste von 30 % – im Schnitt also dreimal so viel wie in „normalen“ Jahren. Seit 2010 registriert das deutsche Bienenmonitoring-Projekt (DeBiMo) Winterverluste von 4,6 bis 15 %.

Verschwinden von Wildbienen-Arten

Der Begriff „Bienensterben“ ist nicht nur in Deutschland, sondern weltweit zum Schlagwort geworden. Doch ein Großteil der Wissenschaftler gibt Entwarnung: Trotz periodisch hoher Mortalität hat sich die Zahl der Honigbienen-Völker in den letzten Jahren kaum verändert.

Besorgniserregender präsentiert sich die Situation wildlebender Bienen, die den Großteil aller Bienenarten ausmachen:

So registrierten Wissenschaftler der Universidad Nacional del Comahue zwischen 2006 und 2015 25 % weniger Bienenarten als im Jahr 1990. Dieser Befund deckt sich mit den Ergebnissen einer Metastudie aus Deutschland. Deren Ergebnis: ein Zurückgang aller Landinsekten um 8,81 % pro Jahrzehnt. In Europa ist mittlerweile jede zehnte Wildbienen-Art vom Aussterben bedroht.

Nicht nur auf globaler, auch auf regionaler Ebene lässt sich das Insekten- und Bienensterben beobachten. So gelten im Vereinigten Königreich bereits 25 Bienenarten als stark gefährdet. Andere Arten werden nicht mehr in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet angetroffen.

In Deutschland ging die Vielfalt an Insektenarten innerhalb von 10 Jahren um bis zu 2/3 zurück, wobei Graslandschaften am stärksten von diesem Schwund betroffen sind. Mehr als 50 % aller deutscher Wildbienenarten stehen bereits auf der Roten Liste, und sind damit bestandsgefährdet.

Gründe für das Bienensterben

Wie wir gezeigt haben, bezeichnet das Schlagwort „Bienensterben“ zwei unterschiedliche Phänomene:

  • zum einen die überproportionale Wintersterblichkeit von Honigbienen, die je nach Jahr mehr oder weniger stark auftritt
  • zum anderen das Verschwinden wild lebender Bienenarten: ein globaler, seit Jahren ungebrochener Trend.

Teilweise stecken dieselben Gründe hinter beiden Phänomenen – kein Wunder, schließlich sind domestizierte und wilde Bienen verwandt und teilen sich die gleichen Lebensräume. In anderen Fällen haben Wildbienen und Honigbienen mit je eigenen Herausforderungen zu kämpfen:

Pestizide

Pestizide sind aus der konventionellen Landwirtschaft nicht wegzudenken. Sie werden eingesetzt, um Kulturpflanzen wie Mais, Raps und Getreide vor Schädlingsbefall zu schützen. Unglücklicherweise beeinträchtigen sie auch Bienen, die diese Pflanzen zur Nahrungssuche anfliegen. So stellte das Deutsche Bienenmonitoring (DeBiMo) fest: 96,9 % des von Bienen eingelagerten Pollens weist heutzutage Spuren von Pflanzenschutzmitteln auf.

Besonders schädliche Folgen haben sog. Neonicotinoide: Nervengifte, die zur Bekämpfung von saugenden und beißenden Schädlingen eingesetzt werden. Kanadische Forscher fanden heraus, dass Honigbienen, die diesem Pestizid ausgesetzt sind, eine erhöhte Mortalität sowie eine Schwächung des Immunsystems aufweisen. Ferner bleiben entsprechende Bienenstöcke häufiger ohne Königin.

Ebenfalls besorgniserregend: Die Mittel scheinen auf Bienen einen ähnlichen Effekt zu haben wie Nikotin auf Menschen – nämlich eine Stimulation des Belohnungssystems. Untersuchungen zeigen, dass die Tiere mit Neonicotinoiden behandelte Pflanzen bevorzugt anfliegen.

Pestizide
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pesticide_spraying_in_spring.jpg

Pflanzenschutzmittel wie Neonicotinoide stellen eine Bedrohung für Honigbienen und wild lebende Arten dar.

Varroamilbe und andere Parasiten

Die aus Asien eingeschleppte Varroamilbe stellt für Honigbienen eine Gefahr dar, da sie ihre Eier in die Brut der Bienen legt. Selbst wenn die befallenen Larven überleben, wachsen sie häufig zu deformierten oder verhaltensgestörten Tieren heran, die eine geringere Überlebenschance haben.

Europäische Arten besitzen keine Verteidigung gegen diesen Parasiten; und so zeigt das Deutsche Bienenmonitoring (DeBiMo) einen deutlichen Zusammenhang zwischen Varroa-Befall und dem Bienensterben im Winter auf.

Mit Varroamilbe befallene Bienenbrut
Mit Varroamilbe befallene Bienenbrut
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Varroa_destructor_on_a_bee_nymph_(5048094767).jpg

Die Varroamilbe ist nicht die einzige Bedrohung für Bienen. Zu weiteren gefährlichen Parasiten gehören unter anderem:

  • Kleiner Beutekäfer: eine aus Südafrika stammende Art, die ihre Eier im Bienenstock ablegt. Nach dem Schlüpfen ernähren sich seine Larven von der Brut, dem Pollen und Honig der Bienen.
  • Apocephalus borealis: eine parasitäre Fliege, die Bienen befällt und deren Orientierung stört, sodass sie nicht mehr zum Stock zurückfinden und sterben. Dieser Parasit findet sich hauptsächlich in Nordamerika.
  • Nosema ceranae: ein einzelliger Parasit, der sich im Darm von Bienen einnistet und schwere Erkrankungen verursacht.

Kultivierung natürlicher Flächen

Monokulturen, Flurbereinigung, hohe Stickstoffeinträge, die Vernichtung von Unkraut und die Versiegelung von Böden sorgen dafür, dass immer mehr Pflanzenarten verdrängt werden. Das stellt ein Problem für Wildbienen und andere Insekten dar, die auf diese Pflanzen angewiesen sind. Besonders im Herbst wirkt sich das mangelnde Angebot an Pollen fatal aus, denn so steht den Tieren kein ausreichender Vorrat im Winter zur Verfügung. Auch die Nistmöglichkeiten werden durch die Veränderung unserer Landschaften immer stärker eingeschränkt.

Wie sehr eine einseitige Bepflanzung Insekten belastet, zeigt sich am Gegenbeispiel: Viele Arten zieht es in urbane Gebiete, die eine vielfältigere Flora aufweisen und in geringerem Umfang mit Pestiziden belastet sind.

Klimawandel

Auch die Verbrennung fossiler Energieträger und die damit verbundene Erderwärmung scheint einen Einfluss auf die Bienenpopulation zu haben.

Durch atypische Temperaturen wird der Biorhythmus von Bienen gestört. Das kann dazu führen, dass sie außerhalb der Blütezeit von Pflanzen ausschwärmen und keine Nahrung finden. Auch können zu lange Brutphasen und ein frühzeitiges Erblühen der Vegetation negative Folgen für die Entwicklung des Bienenvolks haben. In diesem Artikel beleuchtet der Deutsche Imkerbund den Zusammenhang zwischen Bienen und Klimawandel genauer.

Dazu kommt: Hohe Konzentrationen von CO2 beeinträchtigen den Nährstoffwert von Pollen negativ. Somit steht Bienen weniger Protein zur Verfügung, was ihre Überlebensfähigkeit beeinträchtigt. Dieser Befund konnte von amerikanischen Wissenschaftlern anhand von Pflanzenproben nachgewiesen werden

Imkerei

Es mag paradox erscheinen – doch gerade der globale Anstieg an Bienenstöcken könnte zum Bienensterben beitragen. Wie lässt sich das erklären?

Durch einen Anstieg der Honig-Produktion gehört die Honigbiene mittlerweile zu den häufigsten Insekten der Welt. Die Tiere verschlingen gewaltige Mengen an Pollen und Nektar. Dies führt allein durch die Zahl an Bienen dazu, dass andere Insektenarten nicht mehr genug Nahrung finden. Die vermutete Folge: ein Verlust der Biodiversität durch die Konkurrenz von domestizierten und wilden Bienenarten.

Doch die Imkerei bringt – wenn sie über ein gesundes Maß hinaus betrieben wird – noch ein weiteres Problem: Werden Bienenstöcke zu dicht aufgestellt, können Krankheiten ungehindert von Volk zu Volk springen. Britische Forscher warnen darum bereits vor einer Honigbienen-Überpopulation in urbanen Gebieten wie London.

Folgen des Bienensterbens

Nach Meinung vieler Wissenschaftler könnte ein Großteil der Wildbienen in Zukunft stark zurückgehen oder ganz verschwinden. Die Folgen wären fatal:

Da viele Pflanzen ausschließlich von bestimmten Bienenarten bestäubt werden, können sie sich im Zuge des Bienensterbens nicht mehr fortpflanzen. Dies hätte auch Folgen für andere Spezies, die auf diese Pflanzen angewiesen sind – sowie auf Tiere, die sich von Bienen ernähren. Eine gravierende Veränderung unserer Ökosysteme und ein damit verbundenes Artensterben wäre die Folge.

Wie eine „Welt ohne Bienen“ landschaftlich aussehen würde – darum ging es beim Weltbienentag 2021. Diese Bilder von einstig idyllischen Grünflächen, die zur Wüstenlandschaft werden, geben einen erschreckenden Vorgeschmack.

Natürlich würde das Bienensterben auch an uns Menschen nicht spurlos vorbeigehen:

Ein Drittel unserer globalen landwirtschaftlichen Produktion hängt direkt von bestäubenden Insekten wie Bienen ab. Betrachtet man ausschließlich Pflanzen, die Nüsse und Samen ausbilden, sind es sogar 75 %. Die Tiere erzeugen jedes Jahr Produkte im Wert von 150 Milliarden Euro. Angesichts des steigenden Bedarfs an landwirtschaftlichen Gütern dürfte die Rolle der Insekten sogar noch zunehmen.

Welche Folgen ein komplettes Aussterben von Bienen hätte, untersuchten Forscher der Harvard-T.H.-Chan-Hochschule für Gesundheitswesen in Boston. Ihr Ergebnis ist alarmierend: So würde die weltweite Gemüseernte um 16 %, die Ernte von Früchten, Nüssen und Getreide sogar um 22–23 % zurückgehen. Mangelerscheinungen wären vor allem in ärmeren Ländern die Folge, sodass die Wissenschaftler von 1,42 Millionen zusätzlichen Todesfällen pro Jahr ausgehen.

Produkte wie Blaubeeren, Mandeln und Kirschen könnten zu Luxusgütern werden, da sie von Menschen bestäubt werden müssen – mit deutlich höherem Aufwand. Dass dies kein fernes Zukunftsszenario ist, zeigen Berichte aus China. Dort macht das Bienensterben in manchen Provinzen die Handbestäubung bereits nötig. An die Arbeitsleistung echter Bienen kommt diese Methode jedoch nicht heran.

Cucurbita-Handbestäubung Seite 78 von "Luther Burbank, seine Methoden und Entdeckungen ..." (1914)
Cucurbita-Handbestäubung Seite 78 von „Luther Burbank, seine Methoden und Entdeckungen …“ (1914)
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cucurbita_hand_pollination_page_78_of_%22Luther_Burbank,_his_methods_and_discoveries…%22_(1914).jpg

Dort, wo Bienen verdrängt wurden, müssen Blüten von Hand bestäubt werden.


11. Möglichkeiten, das Bienensterben aufzuhalten

Wie bereits gezeigt, hätte das Aussterben der Bienen fatale Folgen für die Biodiversität, aber auch für unsere globale Landwirtschaft. Das Problem betrifft nicht nur Honigbienen, die im wirtschaftlichen Fokus stehen, sondern auch wild lebende Insekten. Folgende Maßnahmen werden daher oft vorgeschlagen, um den Bestand der Tiere zu schützen:

Förderung der ökologischen Landwirtschaft

Akteure wie das FIBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau) weisen bereits seit längerer Zeit auf den positiven Zusammenhang zwischen Insektenvielfalt und ökologischer Landwirtschaft hin: Durch eine abwechslungsreiche Bepflanzung, sparsames Düngen und biologische Unkrautbekämpfung können das ganze Jahr über Nahrungsquellen für eine Vielzahl von Insekten geschaffen werden.

Dieser Befund wird von der Forschung unterstützt. So zeigte eine Metastudie des Thünen-Instituts: Ökologisch bebaute Flächen weisen eine bis zu 26 % höhere Vielfalt an Insekten, darunter auch Wildbienen, auf. Zum gleichen Schluss kommt diese Studie aus dem Jahr 2013: Demnach korrelieren ökologische Anbaumethoden und eine hohe Vielfalt an Pflanzen positiv mit dem Insektenbestand.

Schon heute reagiert die Politik auf diese Ergebnisse, die sich beispielsweise in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung wiederfinden. So verfolgt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) das Ziel, den Anteil ökologisch bebauter Flächen bis zum Jahr 2030 auf 20 % zu steigern.

Schaffung und Erhaltung natürlicher Lebensräume

Naturbelassene Landschaften gelten nachweislich als Garant für eine hohe Vielfalt an Insekten. Leider zeigen Untersuchungen wie diese Studie aus Deutschland, dass die Zahl der Arten selbst in Naturschutzgebieten zurückgeht.

Dementsprechend bildet die Erhaltung und Ausweitung von Biotopen einen Kernpunkt des Aktionsprogramms Insektenschutz, das vom Bundesministerium für Umwelt (BMU) verabschiedet wurde. Es umfasst unter anderem:

  • Ausweisung bestimmter Landschaftsformen wie Grünland, Streuobstwiesen, Steinriegel und Trockenmauern als Biotope.
  • Strenge Regulierung von Pestiziden und Düngemitteln im Umkreis von Naturschutzgebieten
  • Beschränkung der Lichtverschmutzung (Straßenbeleuchtung, Werbeanlagen) in Naturschutzgebieten.
Naturschutzgebiet
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Eingang_ins_Naturschutzgebiet.jpg

Unbebaute und -bewirtschaftete Flächen bilden einen wichtigen Rückzugsort für Insekten wie Wildbienen.

Bienenfreundliche Bepflanzung von Gärten

Nicht nur Landwirte und politische Akteure können zum Schutz von Wildbienen beitragen. Maßnahmen richten sich auch an Privatpersonen, die ihren Garten bienenfreundlich gestalten möchten.

Um ein Nahrungsangebot für Insekten zu schaffen, ist eine abwechslungsreiche Bepflanzung mit heimischen Arten wichtig. Die Pflanzen sollten zu unterschiedlichen Zeiten blühen, damit die Versorgung der Wildbienen das ganze Jahr über sichergestellt wird. Ebenso wichtig sind geeignete Nistplätze.

Aktuell existieren bereits zahlreiche Projekte, die Hobby-Gärtnern Orientierung und konkrete Hinweise an die Hand geben. Eines davon ist die vom BMEL unterstützte Initiative „Jetzt Bienen Füttern!“ Auf der Website werden bienenfreundliche Pflanzen in einem Lexikon aufgelistet. Außerdem erhalten interessierte Gärtner Tipps zum Anpflanzen.

Traubenkatzenminze
Traubenkatzenminze
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Traubenkatzenminze.jpg

Katzenminze ist eine Pflanze, die Bienen Nahrung bietet und in deutschen Gärten angepflanzt werden kann.

Verbot von Pflanzenschutzmitteln

Aufgrund ihrer bienenschädlichen Wirkung wurden im Jahr 2018 EU-weite Teilverbote für die drei Substanzen Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin beschlossen. Diese Neonicotinoide dürfen seitdem nicht mehr auf Äckern, sondern nur noch in Gewächshäusern eingesetzt werden.

Nicht allen Akteuren geht dieses Verbot weit genug: So kritisiert der Bund Naturschutzbund (NABU), dass die drei genannten Pflanzenschutzmittel weiterhin in Gewächshäusern erlaubt bleiben und das Verbot nicht auf alle Neonicotinoide ausgeweitet wurde. Bereits seit Jahren fordern Umweltschützer, die Verwendung aller schädlicher Pestizide einzudämmen – vor allem rund um Schutzgebiete

Züchtung widerstandsfähiger Bienenarten

Wie Untersuchungen zeigen konnten, setzen eingeschleppte Parasiten Bienen stark zu. Besonders der Befall mit Varroamilben korreliert mit einer erhöhten Wintersterblichkeit.

Verbände wie der Deutsche Imkerbund geben ihren Mitgliedern Anleitungen an die Hand, um effektiv mit Schädlingen umzugehen: etwa durch das Entfernen infizierter Larven, die Behandlung mit Ameisensäure sowie chemische Pestizide. Letztere stellen jedoch ein Problem dar, da sie sich in Bienenprodukte wie Wachs und Honig nachweisen lassen.

Darum gibt es Bestrebungen, die Resistenz von Honigbienen per Zucht zu erhöhen. Ein erster Schritt stellte die Analyse des Erbguts und die Identifizierung relevanter Genome dar – eine Aufgabe, die Forschern im Jahr 2020 gelang. In Zukunft könnten Imker anhand von DNA-Tests die Resistenz ihrer Bienen ermitteln und gezielt solche Völker miteinander kreuzen. Diese Vorgehensweise stellt laut Meinung vieler Forscher das einzige Mittel dar, um die Europäische Honigbiene langfristig vor Milbenbefall zu schützen.