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Bienen und pestizidfreier Weinanbau

Bienenwabe

Mehr Biodiversität durch Bienen im Weinberg

Einst waren Bienen Teil eines jeden gesunden Weinbergs. Monokulturen und die Jagd nach dem maximalen Ertrag haben leider dazu geführt, dass Sekundärpflanzen mit allen Mitteln bekämpft wurden. Damit verloren auch die Bienen ihre Lebensgrundlage.

Heute jedoch findet vielerorts ein Umdenken statt. Umweltbewusste Winzer dulden Bienen nicht nur, sondern gestalten ihren Weinberg so, dass die summenden Insekten gerne dort verweilen.


In diesem Artikel verraten wir Ihnen, wie Bienen zur Biodiversität im Weinberg – und damit zur Qualität des Weines – beitragen. Außerdem gehen wir auf Bedenken ein, die viele Winzer noch in Bezug auf die Bienenhaltung haben, und klären, ob diese berechtigt sind.


Vorteile von Bienen im Weinberg


Winzer und Imker profitieren gleichermaßen von einem Weinanbau, der Raum für Bienen schafft. Das zeigen die folgenden Vorteile:


Bestäubung von Pflanzen


Weinreben sind selbstbefruchtend und daher nicht auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Das gilt jedoch nicht für die vielen Sekundärpflanzen, die in einem Weinberg mit hoher Biodiversität wachsen. Diese werden durch Bienen bestäubt und tragen entscheidend zur Gesundheit des Weinbergs bei:


  • Mit ihren Wurzeln halten sie das Erdreich fest und wirken damit der Erosion des Bodens entgegen. Gleichzeitig bietet ihr Blattwerk Schutz vor Regentropfen.
  • Sekundärpflanzen können eingesetzt werden, um den Stickstoffanteil des Bodens zu erhöhen oder zu senken.
  • Verrottende Pflanzen stellen einen natürlichen Dünger dar, der das Wachstum der Reben fördert.
  • Eine vielfältige Bepflanzung zieht Insekten an, die wiederum Jagd auf Schädlinge machen. Außerdem stellen die Pflanzen selbst eine Nahrung für Insekten dar und lenken diese von den Weinreben ab.

Doch Sekundärpflanzen spielen nicht nur eine Rolle für die Vitalität und den Ertrag des Weinbergs. Experten vermuten schon lange, dass die Bepflanzung auch den Geschmack des Weins direkt beeinflusst.


Chinesische Forscher konnten diesen Verdacht bestätigen, als sie Wein aus konventionellem Anbau mit Wein aus einem vielfältig bepflanzten Weinberg verglichen: Bei Letzterem wurden weit mehr flüchtige organische Stoffe, Acetate und Ethylester festgestellt – Bestandteile, die entscheidend zum Geschmack des Weins beitragen. Auch im Blindtest gaben Versuchspersonen diesem Wein den Vorzug.


Weinberghonig


Natürlich lassen Imker ihre Bienen nicht ganz uneigennützig im Weinberg fliegen. Stattdessen produzieren die Tiere leckeren Weinberghonig aus den Pollen, die sie sammeln. Dank der Vielfalt an Pflanzen in einem naturbelassenen Weinberg weist dieser Honig facettenreiche Aromen auf.


Und auch die Qualität kann sich sehen lassen: Verzichten Weinbauern auf chemische Pestizide, erhöht sich die Reinheit des Honigs – ein gewichtiges Argument für umweltbewusste Käufer. Nicht umsonst halten viele Winzer mittlerweile Bienen im Weinberg und schaffen sich so einen Nebenverdienst.


Schutz der Bienen


Leider gehen die in der konventionellen Landwirtschaft verwendeten Pestizide auch an Bienen nicht spurlos vorbei. Vor allem chemisch-synthetische Gifte aus der Gruppe der Neonikotinoide setzen den Insekten zu und tragen zum Bienensterben bei. Durch die weite Verbreitung dieser Gifte finden Imker immer seltener Standorte, die nicht mit Schadstoffen behandelt sind.


Ökologische Weinberge stellen eine interessante Alternative dar, denn hier sind chemisch-synthetische Pestizide Tabu. Delinat-Weinbauern arbeiten beispielsweise mit rein pflanzlichen Präparaten, die ungefährlich für die Bienen sind. Somit tragen sie zum Schutz dieser äußerst wichtigen Tiere bei.


Zusätzlich finden Bienen in einem vielfältig bepflanzten Weinberg ausreichend Nahrung und können auf Trockenmauern Wärme tanken.


Schädlingsbekämpfung


Obwohl Bienen sich ausschließlich von Pollen ernähren, helfen sie trotzdem, den Schädlingsbefall im Weinberg zu reduzieren.


Grund dafür ist eine Verwechslung: Die Raupen mancher Schmetterlingsarten können nicht zwischen dem Geräusch harmloser Bienen und gefährlicher Wespen unterscheiden. Sind die Insekten im Anflug, so vermutete man schon lange, stellen die Raupen das Fressen ein.


Forscher der Universität Würzburg konnten diesen Verdacht mit einem Experiment bestätigen. Sie stellten zwei Versuchskäfige mit Pflanzen auf und siedelten Bienen in einem der Käfige an. Dort ging der Fressbefall durch die Raupen um ganze 70 % zurück – ein deutlicher Beweis dafür, dass die Schädlinge durch das Summen der Bienen in Dauerstress versetzt werden.


Qualität des Weins


Winzer wissen: Ohne die richtige Hefe kann der Wein nicht fermentieren. Besonders bedeutsam präsentiert sich die Spezies Saccharomyces cerevisiae. Zwar kann diese heute im Labor gezüchtet werden. Der Geschmack kommt jedoch bei Weitem nicht an das Naturprodukt heran, das dem Wein erst seine ortstypischen Nuancen verleiht.


Die gute Nachricht: Bienen produzieren diese Hefe auf ganz natürliche Weise in ihrem Magen. Doch nicht nur das: Wie Studien nahelegen, geben die Insekten diesen Inhaltsstoff an die Reben weiter, wenn sie sich an ihrem Saft laben. Damit sind Bienen direkt am Geschmack des Weins beteiligt.


Nachteile von Bienen im Weinberg


Wie wir gezeigt haben, erfüllen Bienen wichtige Funktionen im Weinberg.


Viele Winzer haben jedoch Angst vor dem Appetit der Tiere und befürchten, dass diese die reifen Trauben beschädigen und aussaugen könnten. Tatsächlich verschmähen Bienen den Saft der Reben nicht, wenn Wespen und Vögel mit ihren Beißwerkzeugen Vorarbeit geleistet und die Schale geöffnet haben.


Wie groß das Ausmaß des Schadens ist, sollte ein Versuch im Weingut Wallis zeigen: Hier wurden im ganzen Weinberg acht Bienenstöcke aufgestellt.


Das Ergebnis: Auch bei idealem Wetter wurden kaum Bienen beobachtet, die sich an den Reben zu schaffen machten. Ein Grund für diesen Befund könnte die vielfältige Bepflanzung in diesem Weinberg darstellen.


Die Vermutung: Finden Bienen genug andere Nahrungsquellen, sind sie weniger versucht, sich an den Reben zu schaffen zu machen. Das Gleiche gilt für andere Insekten wie Wespen – noch ein Grund, im Weinberg auf eine vielfältige, naturnahe Bepflanzung zu setzen.